Die Hinwendung zur postmigrantischen Perspektive in den Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften – insbesondere im deutschsprachigen Raum – ist heute nicht zuletzt durch die Notwendigkeit bedingt, auf die „neue Härte in der Flüchtlingspolitik” zu reagieren. Entscheidend für die postmigrantische Perspektive ist dabei die Betrachtung von Migration als gesamtgesellschaftlicher Erfahrung, die die gesellschaftlich etablierte Trennlinie zwischen Migrant*innen und Nichtmigrant*innen überwindet und ein neues Verständnis von gesellschaftspolitischen Konflikten, Narrativen und Identitätspolitiken erfordert (Yıldız und Hill). Im Ergebnis sollte diese Perspektive zur Stärkung der Demokratie beitragen, da sie den nationalstaatlichen Raum anders, nämlich pluralistischer und vielfältiger interpretierbar macht.
Im Rahmen des Workshops wird es um Diaspora und Exil als ein breites Spektrum von Erfahrungen und Ausprägungen gehen, die also aus einer postmigrantischen Perspektive betrachtet werden. Wir werden darauf zielen, diese Erfahrungen und Ausprägungen (queer)feministisch, intersektional und machtkritisch zu analysieren und gemeinsam zu diskutieren. Im Mittelpunkt wird dabei die Frage stehen, wie sich postmigrantische soziale Beziehungen heute – insbesondere im Kontext von Exil und diasporischen Gemeinschaften – herausbilden und gestalten sowie welche Bedeutung sie für die Prozesse der sozialen Integration und des demokratischen Zusammenlebens haben.
Diaspora und Exil aus postmigrantischer Perspektive: philosophisch, sozialkritisch, (queer)feministisch analysiert
12. – 13. November 2026
Anmeldungen bitte per Mail bis zum 02.11.2026 an: diaspora.postmigrantisch@fernuni-hagen.de
Programm
Begrüßung und Einführung
Olga Shparaga und Thomas Bedorf
Begriffe und Paradigmen
Diaspora als Paradigma. Politische Theorie nach dem diasporic turn
Kollektive Identitäten in der postmigrantischen Gesellschaft und ihre möglichen Beziehungen zur Diaspora
Diasporische Identität: Ethnizität, Verstreuung und Vulnerabilität
Körper, Stadt und Raum
Eine intime Politik der Erinnerung – Mit Benjamin und Fanon an den Körper in der Stadt und an die Stadt im Körper erinnern
Postmigrant City Making? Stadt als analytischer Bezugspunkt und Feld im Rahmen einer partizipativen, sorgenden Ethnografie in südhessischen Städten
Künstlerischer Beitrag und Gespräch:
Marina Naprushkina
„Knot, Knot, Network“
Moderation: Olga Shparaga
Relationalität, Fürsorge, Zugehörigkeit
Postmigrantische Beziehungen aus der feministischen Sicht: Eine belarussische Perspektive
pas, el passage, en passage: Ethik des Passierens
Situiertes Wissen und rassifizierte Subjektpositionen
„Meine Wurzeln schweben irgendwo in der Luft“ – Diaspora, Migration und die Verschiebung feministischer Positionierungen
mixed-race als affektive Grenzerfahrung in der postmigrantischen Gesellschaft
Ethnosexismus, Sichtbarkeit und Subjektivierung im Exil: Leise Männlichkeit als Form situierter Agency